Fröhliche Kommerznachtszeit
Donnerstag, 04. Dezember 2008Der erwerbslose Johannes Seffer, vormals Schlagerparty-DJ, der sich selbst neumodisch englisch akzentuiert “Joseph” (sprich: Dschousepp”) nannte, tingelte kreuz-und-quer durch die Republik auf der Suche nach einem Job. Mit im Schlepptau hatte er seine Olle genannt Müriet (eigentlich Marianne aus Ludwigshafen), die er oft augenrollend “Oh, Mutter Gottes…” nannte, wenn sie an der Tanke mal wieder eine geschlagene Stunde brauchte, um sich dann doch nicht für einen Plastikblumenstrauß entscheiden zu können.
Naja, er war schon sehr geduldig mit ihr, immerhin war sie im neunten Monat schwanger. Johannes wusste zwar nicht, ob er wirklich Erzeuger des Balgs war, aber Müriet hatte ihm immer wieder beteuert “hey, isch bin keine Schlampe, isch lieb disch voll escht! oder was!?”, also hielt er sie noch ein wenig aus, auch wenn er insgeheim vermutete, dass sie doch eine war…
Als sie also mal wieder des Nachts in eine andere Stadt kamen, um dort einen Job für ihn zu suchen… tatsächlich war Johannes vor allem auf der Flucht vor den Gerichtsvollziehern, die ihm schon sein Luxushaus mit allem Luxusinventar unterm Arsch weggepfändet hatten, was aber nicht reichte, um die Schulden des auf Pump finanzierten Porsche Cayenne zu tilgen… naja, egal: das ist ne andere Geschichte… auf jeden Fall: es passierte, wie es passieren musste: Müriet kam in die Wehen.
Die Absteige im frühen 70er-Jahre-Baustil, die sich nichtmal schämte “HOTEL” in nur noch teilweise leuchtenden, elektrisch surrenden Neonbuchstaben über den Eingang zu schreiben, war wirklich kein guter Ort dafür, ein Kind auf die Welt zu bringen. Aber egal, es ging halt nicht anders. In den großen Hotelketten waren sie längst als Zechpreller bekannt und hatten deshalb fast überall Hausverbot.
Gut, um die heiße Phase der Geburt mal erzählerisch auszusparen… war ja auch ne ziemliche Sauerei mit den ganzen Handtüchern… und das Bett erst noch, furchtbar! Auf jeden Fall war das Balg dann endlich irgendwann draußen und Johannes, der so eine Geburt bisher nur aus dem Privatfernsehen kannte, geschweige denn selbst eine durchgeführt hatte, entfuhr es “Jesses! en Bub!” – und so sollte er dann auch heißen: Jesus (sprich: “Dschieses”).
Da Müriet von der ganzen Geburt und so erst einmal “boah, krass die Erschöpfungszustände” hatte, entschieden sie für eine Weile in diesem “Hotel” zu bleiben. Der kleine Jesus, geparkt in einem – mit Decken aus einem 1-Euroladen ausgeschlagenen – Plastikwäschekorb, schien es so weit gut zu sehen: er schlief tief und fest und “voll niedlisch, gell!”.
<Szenenwechsel>
Zur gleichen Zeit in einer anderen Stadt, aber nicht sehr weit entfernt, erfahren die drei professionellen Geldeintreiber Kasper Rauhes, Marcel Schiorwicz und Balta Hasa el Hudin den mutmaßlichen Aufenthaltsort von Johannes Seffer durch einen alten Kontakt aus dem Schlagerdisco-Umfeld. Sie besprechen sich nur kurz und überlegen nicht lange, bis sie – ausgerüstet mit Schlagringen, Baseballschlägern und Pfefferspray – in ihren schwarzen Kombi mit dem in goldener Folie aufgeklebten Schriftzug “Three Kings – Direktinkasso GbR” steigen und losfahren…
…to be continued…